Ein gelungener Abend mit Bernd Baldus

Der Prophet gilt nichts im eigenen Land. Das scheint sich, seit Jesus das feststellte, immer wieder zu bestätigen. Doch es gibt auch Ausnahmen. Und eine solche ist die Beziehung zwischen dem Künstler Bernd Baldus und Enspel.

„Er ist ein Sohn von Enspel. Und darauf sind wir stolz“, so begrüßte ihn der Bürgermeister von Enspel, Dieter Wisser, in seiner Funktion als Vorsitzender des Stöffelvereins im Stöffel-Park vor gut 60 Besuchern in der Alten Schmiede. Ein herzlicher Applaus bekräftigte die Worte.

Kunst ist authentischer Ausdruck

Zwar lebt Baldus mittlerweile in Poppenhausen, aber seine Wege führen immer wieder in den Westerwald zu seiner  Familie und um seine Bilder auszustellen. Diese haben einen zeichnerischen Stil, verkörpern den Blues, teils wirken sie liebevoll-karikaturesk. Man spürt, hier hat sich jemand Gedanken gemacht. Baldus erklärt auf seiner Homepage, was Kunst für ihn ist: „Ich fasse Kunst als authentischen Ausdruck eines authentischen Daseins auf.“  Und dass er sich und das Leben, sein Tun reflektiert, wird hier auch deutlich.

Als erstes an diesem Abend feierte Bernd Baldus seine Finissage mit Dutzenden interessierten und aufmerksamen Besuchern inmitten seiner Bilder im Café Kohleschuppen. Dass dieses Angebot so gut angenommen wurde, hatte den Künstler „positiv überrascht“. An seiner Seite war Marli Bartling, die Kunstvermittlerin beziehungsweise Kuratorin des Stöffel-Parks.

Vom Bild zur Bühne

Danach ging es für Baldus geradewegs auf die Bühne in der Alten Schmiede  – in Begleitung von Profimusiker Frank Tischer (E-Piano) und Max Baldus (Schlagzeug), ein weiterer Sohn des Ortes.

Die Atmosphäre war familiär und zugewandt, die Auswahl der Stücke individuell zusammengestellt. Viele Titel hatte man lange nicht mehr gehört, aber auch nicht vergessen: Mit „Me and Bobby McGee“ und „Help me make it through the night“ (Kris Kristofferson) fing es an. „Let’s work together“ fügte sich ebenso ein wie „Werde ich noch jung sein, wenn ich älter bin?“ oder „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“… Der Dylan-Fan wählte auch Udo Lindenbergs „Er wollte nach London“.  Freddy Quinn kam auch zu Gehör.

Tischer zeigte immer wieder in Soloparts seine Virtuosität an den Tasten, und Max Baldus bewältigte seinen Part gut und verlässlich. Dass Bernd Baldus eine innige Bindung zu den Liedern hat, er damit  Überzeugungen oder Erlebnisse verbindet, das erschien authentisch und kam sehr gut an. 

In wenigen Worten schilderte er, wie er als Jugendlicher ausriss – nach Amsterdam, wo er „ordentlich gekifft“ hat. „Die Polizei hat mich gesucht und Interpol.“ Aber gefunden hat ihn der Vater. Als er wieder nach Hause kam, fragte die Mutter in Platt: „Na Junge, war es denn wenigstens schön?“

Träume, Witz und Reflexion 

Als Kommentar zu der Lausbubengeschichte zitiert er den Lindenberg-Text: „Und er glaubt auch nicht mehr so daran, dass es nur  an der Umgebung liegt. Vielleicht kommt es doch mehr auf einen selber an.“ Träume und im Grunde generationsübergreifende Erlebnisse kann Baldus in Kürze vermitteln samt den Gefühlen dazu.

Zwischendurch wurden kleine Verse, etwa von Busch oder Ringelnatz, eingefügt, die ein munteres Gelächter hervorriefen. Es schien für das Publikum ein rundum gelungener Abend zu sein. Und man kannte sich untereinander, es war wie ein großes Treffen. Das Flair der Schmiede passte hervorragend dazu.

Der Stöffelverein war Veranstalter des Abends.  Mehr Informationen zu dem Leben, den Ausstellungen und den Bildern des Künstlers

(Text und Foto zum Event am 31.10.2019: Tatjana Steindorf) 

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