Gershasener Backesfrauen hören nach 35 Jahren auf

35 Jahre lang waren die Backesfrauen von Gershasen im alten Backes aktiv und ließen so eine alte Tradition weiterleben. Dieser Tage heizten sie den großen Backofen zum letzten Mal ein, um noch einmal 100 Roggenbrote abzubacken. Wie in den Jahren zuvor, so gaben sie auch diesmal einigen Schülern der Regenbogenschule Westerburg die Gelegenheit, ihnen beim Abbacken der Teigrohlinge zuzuschauen und das Museum im oberen Stockwerk zu besuchen.

Abschied genommen

So nahmen die 15 Backesfrauen, die dem Gymnastik Club Gerhasen angehören, Abschied von ihrem Hobby, das sie zwei Mal im Jahr mit viel Leidenschaft ausübten. Zur Feier des Tages hatten sie den Eingangsbereich mit bunten Luftballons und Girlanden geschmückt. Ein Schild an der Tür gab Auskunft: „35 Jahre in unserem schönen, alten Backhaus, zwei Mal jährlich Rohling rein – Brot raus. Heute ist‘s das letzte Mal, doch es war uns keine Qual. Gerne sind wir her gegangen, um alles Wissen übers Backen zu erlangen. Aber heute ist nun Schluss, die Backesfrauen vom GCG sagen Tschüss!“

In den vergangenen Jahren hatten sie im Frühjahr und im Herbst an zwei Tagen nach alter Tradition für ofenfrisches Brot gesorgt. Wurde der Teig in früheren Jahrzehnten noch selbst gerührt, übernahm diese Arbeit schon seit geraumer Zeit eine Bäckerei aus Westerburg. Auch diesmal wurden 100 Rohlinge geliefert und abgebacken. Wer den Backesfrauen einmal über die Schulter geschaut hat, der weiß, wie viel Arbeit und Mühe dahinter steckt.

Alte Traditionen bewahren

Unverzichtbar bei dieser Arbeit war in all den Jahren Hildegard Menges, die im Juni ihren 80. Geburtstag feierte. Sie fungierte seit 1984 als „Schießerin“. So schob oder besser gesagt schoss sie das Brot in den Ofen und holte es auch wieder raus, was einiges an Kraft erfordert. Ihre langjährige Erfahrung wurde geschätzt und gelobt. Zudem hat sie ein Gefühl für die richtige Hitze im Backrohr.

Schon zwei Tage vorher musste der Ofen eingeheizt werden. Um vier Uhr in der Früh wurde dann noch einmal Holz nachgelegt, damit um 5.30 Uhr die ersten Brote reingeschoben werden konnten. Dann war die richtige Temperatur erreicht. Nach einer halben Stunde mussten die Brote „aufgefrischt“ werden. Auch dann war Hildegard Menges mit ihrem Schieber parat, während andere Backesfrauen mit einem Pinsel Wasser auf den Brotlaiben verteilten und die Brote Hand in Hand weiterreichten. Auch sie haben nun ein Alter erreicht, in dem sie sich gerne Ruhe zu setzen möchten. „So wie es derzeit aussieht, möchten einige Frauen aus dem Dorf die alte Tradition fortführen“, freut sich Wilhelma Kreckel. Ihre Schwiegermutter Minna war es, die Hildegard Menges im Jahr 1984 als Schießerin einarbeitete und ihr die nötigen Handgriffe und Tipps vermittelte. 

Altes Backesmuseum

Auch wenn aus dem Schornstein kein Rauch mehr aufsteigt, so öffnet das Backes dennoch auch weiterhin seine Türen. Wer möchte, der kann das Heimat-, Backes- und Ofenbauermuseum nach vorheriger Absprache besichtigen. Während sich im Erdgeschoss nach wie vor der alte Backofen befindet, präsentieren sich die oberen Räume liebevoll ausgestattet mit allerlei Küchenutensilien und -geräten von „anno dazumal“. Beim Rundgang können die Besucher auf eine kleine Zeitreise gehen.

Auskunft und Termine geben die Tourist-Information WällerLand (Telefon 02663 291-494 oder -495, E-Mail info@waellerland.de), Bärbel Rudolph (Telefon 0160 94908221) oder Rosemarie Jung (Telefon 02663 3145).

(Text und Fotos: Ulrike Preis)

zurück