Max Uthoff in Westerburg: Ein toller Abend in der Stadthalle

„Wann war die Stadthalle in Westerburg das letzte Mal so bis auf den letzten Platz gefüllt wie hier?” Diese Frage stand am Wochenende im Raum, und selbst bei längerem Überlegen fiel die Antwort auf diese Frage nicht leicht. Denn es war schon sehr lange her, und selbst die Verantwortlichen von der Verbandsgemeinde als Veranstalter waren sich nicht sicher, ob sie es mit dem Kabarettisten und Juristen Max Uthoff schaffen würden, der das kulturelle Programm der Verbandsgemeinde 2018 eröffnete.

Doch wer „Die Anstalt” aus dem ZDF kennt und damit auch den Münchner Max Uthoff, war sich ganz sicher – wenn es einer schafft, dann der. Und so trat es auch ein.

Man spürte förmlich die Erwartungshaltung der vielen Besucher, die sich auch nicht nach der für Max Uthoff eigenen Eröffnung legen sollte. Nur mit einem Megaphon als einzige Requisite in der Hand „eroberte” der Kabarettist die Bühne, und was dann auf die Besucher „niederprasselte”, waren verbale Rundschläge, die vor keinem Halt machten, der jemals ganz oben auf der politischen Bühne tätig war.

Ein bisschen böser Humor 

„Wo man singt, da lass dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder – herzlich willkommen zu einem Abend ohne Musik.” Doch der Kabarettist irrte. Denn es war letztendlich doch Musik im Programm. Wenn auch im erweiterten Sinne. Die große Politik mit dem G20 Gipfel, „dem Treffen der 19 führenden Industrienationen – und Italien”, war der erste Fingerzeig, wohin die „Musik” geht.

Perversionen des Alltags

Nämlich hin zu hintergründigen Problemen, deren Offenbarung zwar am Ende immer mit Beifall und Lachen belohnt wurde, bei genauerem Hinschauen aber zu Überlegungen anregen sollten. Dies bewies unter anderem das „perverse” Beispiel aus Italien, wo unweit der Küste ein Hundeswimmingpool, ein Dog-Pool, für die Hunde von Reichen gebaut wurde. „Unweit einer Küste, wo Hunderte von Menschen sterben – vielleicht hätten die einen Pudel unterm Arm mitnehmen sollen.”

Von Italien ging es in die USA,  in eine Zeit, „wo Nixon noch regierte, weil der Attentäter so schlecht geschossen hat”, um im gleichen Atemzug wieder zurück nach Deutschland  zu kommen.

Ohne Punkt und Komma ging es weiter: über die wirtschaftliche Situation der Menschen in Deutschland, „wo 20 Prozent der Menschen statistisch über 1000 Euro Schulden pro Person haben – der Rest sind Millionäre”. Logisch, dass dann auch die derzeitige Suche nach einer Regierungsformation „ihr Fett” abbekam. Darunter die Arbeit um „Jamaika”, deren Suche Max Uthoff mit einem Beispiel aus der Farblehre quittierte. „Rot, Grün und Schwarz mischen gibt Braun”, um gleich darauf das Publikum in das Programm einzubauen.

Seitenhiebe für CDU, FDP und AfD  

Das Publikum sollte Fragen, ob sie eher eine große Koalition oder ein Jamaika-Bündnis haben wollten, durch Fingerzeig darstellen. „Niemand, das hatte ich auch noch nicht.” Am Ende stand für die Gäste im Saal der Wunsch nach einer CDU-Minderheitsregierung im Raum. Eine Neuwahl kam für Max Uthoff nicht in Frage, „die kostet 100 Millionen Euro – 70 Millionen alleine für die neuen Schwarz-weiß-Fotos von Christian Lindner”. Den Erfolg der FDP bei der Bundestagswahl stellte Max Uthoff mit den Worten „Wer hat denn da die Tür des Leichenschauhauses der Parteien nicht richtig verschlossen?” in Frage, um im gleichen Atemzug den Erfolg der AFD als einen „Erfolg der kleinen Leute” zu sehen. „Adolf Hitler war nur 1,75 Meter groß.”

Schützt Donalds Dummheit vor Atomkrieg? 

Logisch war dann auch, dass dieser Abend ohne Donald Trump nicht denkbar war.  Man bräuchte bei Donald Trump in Sachen Atomknopf keine Angst haben. „Bleiben wir gelassen – so wie Trump twittert, ist der nicht in der Lage, den Code für den Atomknopf fehlerfrei einzugeben.” Auf die Frage nach dem Unterschied zwischen Horst Seehofer und Donald Trump kam die Antwort: „Donald Trump spricht besser deutsch.”

Das letzte Wort

Und ganz am Ende ließ er dann auch noch eine Spitze in Richtung Westerburg los. „Bei einem Besuch der Seite Wikipedia und den vier Persönlichkeiten der Stadt Westerburg war mir klar – hier kriegst du kein Taxi.” Als Zugabe gab es dann noch eine Auswahl an Sprüchen auf Grabsteinen. Für sich sieht er in Zukunft nur ein „So – du bist auch bald dran” vor. Bei Helene Fischer möchte er ein „Atemlos” stehen haben – um dann ganz am Ende im dunklen Schwarz der Bühne unter den stehenden Ovationen des Publikums zu verschwinden.

(Text und Fotos: Klaus-Dieter Häring)

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